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Dienstag, 29. September 2015

Serie "19 Pflegediagnosen" SOZIALE ISOLATION

Wow - 2 Worte - ein RIESEN Thema!
Dieses Stichwort - ziemlich häufig wohl die "Gefahr der sozialen Isolation" begegnet mir in fast jeder zweiten Fallarbeit. Wer im Krankenhaus liegt, eine chronische Krankheit hat und in einem Alter ist, wo nicht "funktionsfähig" sein, uncool sein bedeutet (Pubertät oder auch später im Berufsleben) läuft schnell Gefahr, in soziale Isolation zu geraten. Oft ist es aus Scham, also ein Stück weit "selbstverschuldet", dass Menschen sich mehr und mehr zurückziehen. Hier kann man einen großen Hebel ansetzen, in dem man Brücken baut (Selbsthilfegruppen etc.) oder einfach Infos zur leichteren Alltagsbewältigung gibt. Oft ist es den Leuten gar nicht klar, was man alles bei ihrem spezifischen Problem machen kann, um vor Mitmenschen nicht "dumm" oder "schwach" dazustehen.
Ein Stück weit ist es interpretationssache wann man die Diagnose "Gefahr der sozialen Isolation" stellt oder auch abhängig davon, wie hoch man den Stellenwert dieser Gefahr setzt.
Im folgenden möchte ich ein paar Beispiele geben, wo ich hellhörig werden würde: besteht hier eventuell eine Gefahr?

Merkmale

- Urininkontinenz, besonders bei jungen Müttern. Eigentlich ein häufiges Problem aber meines Wissens nach oft todgeschwiegen
- Probleme mit dem Darm (besonders CED's, Notwendigkeit von Stomata etc.). Hier empfinde ich besonders die Pubertät als ein schwieriges Alter, weil "man" über sowas nicht spricht
- chronische Schmerzen, wie zum Beispiel bei rheumatischen Erkrankungen. Bei unzureichender Schmerzeinstellung und stark eingeschränkter Bewegungsfähigkeit oft ein Grund zuhause zu bleiben.
- psychische Erkrankungen aller Art, aber Depressionen fallen mir da am ehesten auf.
- Zustand nach Amputation von Gliedmaßen oder entstellende Narben, die einen Patienten eventuell in den Rückzug treiben.
- demenzkranke Patienten, deren Angehörige weit weg wohnen und die nur einmal die Woche Besuch bekommen

Bedeutung

Soziale Isolation ist ein sehr großes Problem. Einen Freundeskreis zu haben, Menschen, die einen unterstützen, mit einem Zeit verbringen, nach einem schauen und einen ermutigen, weiter zu gehen, auch wenn der Weg schwer ist, hat einen hohen Stellenwert im Copingprozess mit einer Erkrankung und vielleicht sogar Auswirkungen auf die Heilung.
Ziehe ich mich stattdessen aufgrund einer Erkrankung mehr und mehr zurück, lasse keine Hilfe und keine Ermutigung zu, befinde ich mich in einer Abwärtsspirale. Wir als Krankenpflegende haben das Potential, diese Abwärtsspirale noch im Krankenhaus zu unterbrechen!

Mehr dazu am Freitag :)

Samstag, 12. September 2015

Serie "19 Pflegediagnosen" SCHMERZ Teil 2



So, willkommen zur zweiten Runde.
Heute wollen wir uns die Aufgaben und das Handlungskonzept vom Tag 2 anschauen.

Tag 2: Handeln

Aufgaben

- regelmäßige, korrekte Schmerzmittelgabe inkl. Bedarfsmedikamente
- Verhinderung von Schmerzereignissen durch vorrauschauendes Handeln (z.B. Bedarfsmedigabe vor der Mobilisation)
- bei vorraussichtlich längerfristiger Einnahme Beratung zum richtigen Umgang sowie zum Thema Nebenwirkungen
- aufmerksam sein für Auffälligkeiten und Nöte des Patienten, beraten und schulen

Handlungskonzept

- regelmäßiges Abfragen der Schmerzskala von 0-10 (je nach Intensität z.B. 2x/ Schicht sowie zusätzlich vor Belastungen und 30 min nach Bedarfsmittelgabe), Bedarfsmedigabe ab einer Schmerzintensität von 3.
- Arzt bei Auffälligkeiten über allgemeine Schmerzintensität informieren sowie bei häufigem Gebrauch von Bedarfsmedikamenten evtl eine Dosisanpassung der Basismedikamente vornehmen lassen
- anbieten von physikalischen Maßnahmen. Bei Rheuma zum Beispiel morgens gleich als erstes lauwarmes Handbad zum Lockern der Gelenke anbieten, um so das Wohlbefinden und die Selbstständigkeit bei der Körperpflege und beim Essen zu heben.
-bei auffälligem Schmerzverhalten wie z.B. offensichtlich schmerzgeplagt zu sein aber dies auf Nachfrage zu verneinen könnte es ratsam sein, hier ein Gespräch nach der Salutogenese (nach A. Antonowsky) anzuberaumen (wichtig ist es abzuwägen, ob dies ein Problem ist, das auch tatsächlich von der Pflege in den Angriff genommen werden muss. Je nach Fallbeispiel hat man aber auch Interpretationsspielraum und muss nur gut sein Vorgehen begründen). Ziel ist es, das Kohärenzgefühl des Patienten zu stärken. Das heißt folgende Bereiche werden im Gespräch abgedeckt:

Verstehbarkeit: dem Patienten Zusammenhänge zum Thema Schmerz erklären, zum Beispiel die Ausprägung eines Schmerzgedächtnisses und die Chronifizierung von Schmerz, Wirkweise von Schmerzmedikamenten.
Sinnhaftigkeit: Im Anschluss an das Vermitteln von Fachwissen kann man dann den Patienten darauf bringen, dass es sehr viel Sinn macht, gegen den Schmerz vorzugehen anstatt ihn zu ignorieren. Man kann ihm vor Augen malen, wie leicht Abhilfe (noch) sein kann, und wie die Lebensqualität dadurch gesteigert werden kann.
Handhabbarkeit: Hier kann man praktische Aspekte vom Schmerzmanagement einbringen wie zum Beispiel "wenn sie morgens vor Schmerzen schier nicht aus dem Bett kommen aber Schmerzmedikamente nicht auf nüchternen Magen einnehmen wollen, dann richten sie sich doch abends eine Scheibe Butterbrot und stellen sich die mit einem Glas Wasser auf den Nachttisch. Dann können sie morgens gleich als erstes ein Stück Brot essen und kurze Zeit später die Medikamente einnehmen."

Schreibt man im Handlungskonzept etwas zum Thema Salutogenese, dann kann man damit wunderbar als bezugswissenschaftliches Konzept begründen. Meiner Ansicht nach ist die Salutogenese etwas, was man sehr gut lernen kann zu formulieren (bei den Begründungen) und auch auf viele Fallbeispiele anwendbar. Man sollte aber nicht versuchen aus jedem Fallbeispiel die Salutogenese "herauszuquetschen".

-Beratungsgespräch zum Thema Nebenwirkungen von opioid-Analgetika.
Besonders auf die Obstipationsprophylaxe schauen: ballaststoffreiche Ernährung mit Obst und viel Gemüse, bevorzugt Vollkornprodukte, viel Trinken (außer bei Kontraindikationen wie Herzinsuffizienz), viel Bewegung im Alltag
Sturzprophylaxe besonders in der Anfangsphase betonen: Keine losen Teppiche, Kabel oder andere Stolperfallen, im Bad und in der Wohnung möglichst Haltegriffe, eventuell Hausnotruf o.Ä.

hier also mal ein paar Ideen, was man so beim Thema Schmerz machen kann.
Zusätzlich hier noch ein paar weiterführende Infos:

Risikodiagnosen

die im Zusammenhang mit der Pflegediagnose Schmerz auftreten können:

Pneumonie
soziale Isolation
chronischer Schmerz

Möglichkeiten der Begründung 

pflegewissenschaftlich:

Pflegeprozess 

Darstellung: wie gewöhnlich
Begründung der Auswahl: Schmerz hat sowohl kurz als auch langfristige Auswirkungen, mit dem Pflegeprozess habe ich beides im Blick; oder so ähnlich
Anwendung im Fallbeispiel :
1- Infos sammeln: Erfragen der Schmerzintensität
2 - 4 Planung der Vorgehensweise: sowohl kurzfristig als auch langfristige Ziele im Auge haben: kurzfristige Schmerzfreiheit, langfristig ein selbstständiger Umgang mit dem Thema Schmerz, erreicht zum Beispiel durch Beratungen
5- Durchführung dieser Maßnahme
6- Evaluation mit Anpassung also auch - ich frage nach einer halben Stunde nochmal nach ob die Bedarfsmedikation gewirkt hat und gebe möglicherweise nochmal was nach

 bezugswissenschaftlich:

Salutogenese

wie oben beschrieben. Bei Anwendung würde ich ein kleines Beispiel aus dem Handlungskonzept reinschreiben

 

Pathophasiologie vom Schmerz 

evtl mit gate control Theorie







Freitag, 11. September 2015

Serie "19 Pflegediagnosen": SCHMERZ





Heute will ich mich also mal genauer mit dem Thema "Schmerz" als Pflegediagnose befassen.
So eine Pflegediagnose ist ja immer recht allgemein formuliert und wird erst durch das "bedingt durch"(b/d) und das "angezeigt durch" (a/d) spezifisch für den Fall angepasst. Als ersten Schritt, möchte ich für diese beiden Spezifizierungen ein paar Beispiele nennen, die einem im Examen häufiger begegnen können. Die Ursachen für den Schmerz (Spalte "bedingt durch") sind in der Fallbearbeitung meist eindeutig herauszulesen (anders als im wahren Leben). Allerdings ist "angezeigt durch" oft der Teil, wo man nicht so richtig weiß, was man schreiben soll. Im Notfall flüchtet man sich zu "Äußerungen des Patienten". Leider ist das nicht wirklich beliebt bei den Korrektoren... was also tun? Ein paar Ideen folgen...

Pflegediagnose "Schmerz"

b/d: z.B. Infekte, Brüche, Kopfschmerzen, Gallen-/ Nierensteine, Verletzungen, Wunden, Rheuma/ Arthritis/ arthrotische Veränderungen, chronisch entzündliche Darmkrankheiten
a/d: "Äußerungen des Patienten" (irgendwie gehört es ja schon hierher), Verzerren des Gesichtes, Berühren von schmerzen Stellen oder Schonhaltung/ flache Atmung als Zeichen von Schonatmung, Tachykardie, Hypertonie, Blässe, Kaltschweißigkeit, Bewegungsarmut, allgemein zurückgehende Aktiviät, Appetitlosigkeit, sozialer Rückzug, Launenhaftigkeit

Hier habe ich jetzt mal eine Auswahl von Auffälligkeiten aufgeführt, die bei Schmerz vorkommen könnten. Manches davon steht vielleicht im Fallbeispiel, manches kann man als Vermutung dazu schreiben. Steht beispielsweise im Fallbeispiel nur, dass der Patient über Bauchschmerzen klagt, kann man bei a/d die berühmten "Äußerungen des Patienten" aufführen und zusätzlich schreiben "eventuell hält er sich den Bauch".
Aber redet besser vorher mit euren Lehrern darüber, ob sie diese Vorgehensweise auch zulässig finden, nicht dass ihr nachher wegen meiner Vorschläge Punktabzug bekommt!

Und wie kann es nun konkret in der Analyse eines Falles aussehen, in dem Schmerz vorkommt?
Ich zeig mal, wie ich im Fallbeispiel vorgehe. Wenn ihr eure Analyse nach der NANDA sortiert, wäre Schmerz im Bereich 12: Wohlbefinden am ehesten einzuordnen.

 Merkmale

Dies ist die Spalte, in der am besten wörtlich zitiert wird. Steht im Text "Sarah hält sich den Bauch und wimmert", kann man das in diese Spalte so oder sehr ähnlich hineinbringen. Wichtig ist, hier noch keine Hypothesen einzubringen, also nicht zu schreiben "Sarah hat Schmerzen". Dafür ist die nächste Spalte da.
weitere Beispiele:
1)"Hr. U klagt über Schmerzen." (da braucht man dann auch keine Hypothesen mehr)
2)"Frau O. atmet flach."
3)"Hr. B nimmt immer wieder eine gekrümmte Haltung ein."
4)"Frau A. verzieht das Gesicht, wenn sie läuft, äußert aber nichts dazu."

Bedeutung/ pflegerelevante Fragen/ Ressourcen/ Hypothesen

Hier schreibe ich rein, was mir so alles zu diesem Merkmal einfällt. Wichtig ist, das wirklich hinzuschreiben und nicht zu erwarten, dass der Lehrer das schon hineininterpretiert, dass ihr das wusstet. Das kann ordentlich Punkte kosten (ich spreche hier aus Erfahrung...)
Wenn ihr also wisst, dass eine Schonatmung zu einer Pneumonie führen kann wegen der Atelektasenbildung dann schreibt es auf jeden Fall hin! Wenn ihr nur irgendwie die Pneumoniegefahr drinne habt, ist der Patient zwar nicht gefährdet, aber dem Lehrer ist auch nicht klar, wie viel ihr nun tatsächlich zu dem Thema wusstet.
Bei Sarah's Beispiel (die anderen Beispiele führe ich hier nach Nummer auf) würde das heißen ich schreibe:

Hypothese: Sarah hat Bauchschmerzen
1) -
2) Frau O. atmet flacher wegen Schmerzen im OP-Gebiet (z.B. bei Bauch-Wunde)
3) Hr. B. hat Rückenschmerzen (oder was auch immer zum Fallbeispiel passt)
4) Frau A. hat Schmerzen im Gelenk, möchte diese aber nicht zeigen.

pflegerelevante Fragen: Macht sie das öfter? Anzeichen für etwas bestimmtes? (also mal angenommen, es geht um ein Kind und im Fallbeispiel kommen Eltern vor, die diese Frage beantworten könnten)
1) woher kommen die Schmerzen? Wie lange bestehen sie schon? Wie ist der gewohnte Umgang mit Schmerzen?
2) -
3) Tritt das neu auf, oder ist das schon "gewohnt"? Verschafft das Linderung? Falls Gewohnheit: schon "Folgeschäden" (Bsp. Kopfschmerzen wegen versteifter Haltung des Nackens)
4) warum äußert sie ihre Schmerzen nicht? Was ist ihre Interpretation von Schmerz - ist es unschicklich, so etwas auszudrücken?

Ressourcen: Eltern kennen Sarah und wissen, was ihr in diesen Situation am ehesten hilft.
1) Kann Schmerzen benennen und damit um Hilfe bitten
2) puuuh. Je nach Fallbeispiel. Vielleicht die Tochter, die nach ihr schaut. (!?)
3) Auch hier eventuell auf Angehörige im Fallbeispiel verweisen.
4) Vielleicht die Bettnachbarin, die offener mit ihren Schmerzen umgeht, dafür aber besser eingestellt ist (quasi als positives Beispiel)
 Ihr seht, Ressourcen sind nicht gerade meine Stärke. Oft bin ich versucht, Dinge da hineinzuschreiben, die eigentlich Maßnahmen sind. Andererseits fällt es mir schwer, Ressourcen zu erkennen.

Bedeutung: Sarah geht es jetzt nicht gut, sie braucht Linderung. Hat sie Schmerzen, kann dies den Krankenhausaufenthalt für sie emotional noch schlimmer machen.
1) Bedeutet, dass der Patient jetzt solange in einer äußert unangenehmen Lage ist, bis die Schmerzen nachlassen. Ich habe also direkt die Möglichkeit auf sein Wohlbefinden Einfluss zu nehmen, indem ich ihm zügig physikalische Maßnahmen oder Bedarfsmedikation anbiete, eventuell den Arzt verständige.
2) Schonatmung führt zu einer Mangelbelüftung von Teilen der Lunge, dort kann es zu Atelektasen kommen, die einen idealen Nährboden für eine Infektion darstellen --> Pneumoniegefahr!!
Außerdem ist der Patientin dieser Umstand möglicherweise nichtmal bewusst, oder sie hat sich an diese Form der Atmung gewöhnt, obwohl die Schmerzen nur noch kaum vorhanden sind. Das Wiederherstellen einer physiologischen Atmung, u.A. durch optimale Schmerzeinstellung, hat also auch direkten Einfluss auf die Länge ihres Krankenhausaufenthalts.
4) Schmerz, der nicht geäußert wird, wird oft nicht behandelt. Es kann zur Ausprägung eines Schmerzgedächtnisses kommen. Außerdem ist die Lebensqualität der Patientin durch dauerhaften, latenten aber unterdrücktem Schmerz stark eingeschränkt und kann direkten EInfluss auf ihr tägliches Leben und ihre sozialen Kontakte haben. Die Patientin zu einem anderen Schmerzverhalten zu ermuntern kann also möglicherweise bedeuten, ihr zu einem als angenehmer empfundenem Leben zu verhelfen.

Soweit also mal die Analyse. Nun möchte ich noch auf die Aufgaben bzw. das Handlungskonzept eingehen, das heißt ich versuche jetzt mal einen "Standart-Mittelweg" zu finden, den ich dann im Examen mit Verfeinerungen auf das Fallbeispiel anwenden kann. Dazu unterteile ich nach Tag 1 und Tag 2:

Tag 1 (Erfassung)

Aufgabe: Erfassen des aktuellen Schmerzes und seiner Auswirkungen, der Herkunft, von Schmerzgewohnheiten und Hilfreichem

Erfassungskonzept:
- Abfragen der PQRST-Skala 1x/ Schicht:
P- Provokation (Auslöser) und Palliation (Linderung)
Q- Qualität (Art: ziehend, stechend, drückend, dumpf, kolikartig)
R- Radiation (Ausstrahlung in andere Körpergebiete oder auch: welche andere Lebensgebeite werden davon beeinflusst?)
S- Skala (Schmerzintensität in 0-10, 10 ist das allerschlimmste)
T-Timing (wann tritt es auf?)

-Zusätzliches Abfragen der 0-10 Skala 1x/ Schicht bis stündlich (je nach Situation). IMMER bei Schmerzäußerungen, vor und nach Mobilisation oder anderen Anwendungen
- allgemeinen Umgang mit Schmerz herausfinden/ Erfahrungen mit Schmerzäußerungen im Gespräch herausfinden (in Fällen wie Nr 4) Ist Schmerz etwas bedrohliches, etwas peinliches oder eher etwas, was einem Aufmerksamkeit verschafft (okay, hier muss man sehr vorsichtig sein mit Unterstellungen!)
- Erfragen von Hilfreichem, bei Patienten mit Rheuma beispielsweise ob eher Wärme oder Kälte hilfreich ist. Ebenso: Lieber Ruhe oder Ablenkeung? Wie schnell wollen Medis genommen werden? Erst wenn es gar nicht  mehr geht oder gleich zum Abfangen? Ist Familienanwesenheit bei Schmerzen eher angenehm und förderlich oder sollte Besuch eher "abgeblockt" werden?

Das ist ein Erfassungskonzept? Naja, geht so. Ich weiß, da geht noch was. Und ihr? Was sagt ihr dazu? Was fehlt euch? Was muss für euch IMMER IMMER am Tag 1 rein bei Schmerz?
Den Tag 2 gibts später, also am Samstag.
Also, lernt schön bis dahin und vergesst nicht zu kommentieren!






Samstag, 5. September 2015

Fallarbeit Tag 2, Teil C - Handlungskonzept bei rheumatoider Arthritis


Heute möchte ich euch einen C-Teil zeigen, den ich im Rahmen vom Unterricht zum Thema rheumatische Erkrankungen als Aufgabe bekommen habe:

  Es geht um die Frau Arthros (ich weiß, ein unglaublich kreativer Name, aber das kommt nicht von mir), 68 Jahre alt, die alleine in einer 3 Zimmer-Wohnung lebt. Seit 15 Jahren leidet sie unter rheumatoider Arthritis, erst in der Hand, jetzt auch in Knie- und Hüftgelenken. Ihr Bewegungsradius ist stark eingeschränkt. Nach dem Aufstehen hat sie mit Morgensteifigkeit zu kämpfen, die bis zu einer halben Stunde andauert und sehr schmerzhaft ist. Die Analgetika wirken nur bedingt. Sie leidet unter Schlafstörungen und Fatigue tagsüber. Die Tochter hilft ihr 1-2 mal die Woche im Haushalt, Essen auf Rädern ist bestellt. Ansonsten kann sie noch vieles selber, doch da sie immer schlechter greifen kann, wird vieles schwieriger. Außerdem hat sie im letzten Jahr stark zugelegt und esse laut der Tochter auch mehr. Sie nimmt seit Jahren Glucocorticoide.
Seit 2 Tagen befindet sie sich nun auf „meiner“ Station im Krankenhaus, da der Hausarzt die Gesamtsituation abklären wollte.
(Das sind die wichtigsten Infos, die ich aus unserem Originalfall herausgenommen habe, da ich leider nicht weiß, wer diesen geschrieben hat, traue ich mich nicht ihn zu veröffentlichen)

priorisierte Pflegeprobleme:
Schmerz 
b.d. rheumatoide Arthritis 
a.d. Äußerungen der Patientin, Mimik, Gestik, eingeschränkte Mobilität

mangelnde Selbstständigkeit im Alltag 
b.d. eingeschränkten Bewegungsradius, abnehmende Fähigkeit zu greifen und Dinge in der Hand zu halten 
a.d. Tochter hat Essen auf Rädern organisiert, putzt und wäscht für sie

Überernährung 
b.d. Glucocorticoidtherapie (Hypothese) 
a.d. deutliche Gewichtszunahme

Handlungskonzept
 Der Schmerz ist für Frau Arthros sicher das im Vordergrund stehende Problem, da es die schon bestehende Bewegungseinschränkung noch verstärkt, Kraft raubt und auch die allgemeine Lebensqualität einschränkt. Um dem Problem entgegenzuwirken erfasse ich den Schmerz von Frau A. zuerst systematisch. Dazu nehme ich mir einmal pro Schicht die PQRST-Skala zur Hilfe und erfrage  den Schmerz zusätzlich einmal pro Schicht mit der numerischen Rang Skala sowie vor Pflegeinterventionen. Bei einem Schmerz von größer als 3 biete ich Frau A. Bedarfsmedikation an. Ich beobachte Frau A. auf die Wirksamkeit dieser Bedarfsmedikamente und melde unzureichende Wirkung dem Arzt. Auch die allgemeine Schmerzsituation und die Wirksamkeit der fest angesetzten Medikamente teile ich dem Arzt mit. Ich erachte ihre dauerhafte Schmerzmedikation als unzureichend, sollte sie zu keiner Zeit (außer innerhalb von 2 Stunden nach der Gabe von Bedarfsmedikamenten) Werte unter 3 angeben und häufiger als 3mal pro Tag Bedarfsmedikation benötigen. Nach der Gabe von Bedarfsmedikation werde ich mich nach einer dreiviertel Stunde erkundigen ob Besserung eingetreten ist. Zusätzlich zu der medikamentösen Schmerztherapie werde ich Frau A. physikalische Maßnahmen anbieten und hier hauptsächlich mit Wärme arbeiten. Da sie sehr unter der Morgensteifigkeit leidet, werde ich ihr vor der Erstmobilisation am Morgen warme Wickel für Knie- und Hüftgelenke sowie ein warmes Handbad anbieten. Sollte dies gute Wirkung zeigen, erhoffe ich mir eine Verbesserung ihrer Selbstständigkeit und Mobilität.

Um die Mobilität zu verbessern werde ich Frau A. zusätzlich über die Vorteile eines Rollators aufklären, der ihr nicht nur Sicherheit beim Gehen gibt und somit ihre Sturzgefahr verringert, sondern auch die Möglichkeit bietet, sich zu setzen und Pausen zu machen, sollte zum Beispiel der Schmerz sehr stark werden. Um ihre Mobilität zu Hause so weit wie möglich zu erhalten, werde ich sie und ihre Tochter dazu beraten, einige Griffe in der Wohnung anzubringen, besonders im Bad und in engen Räumen, die nicht gewohnheitsmäßig mit dem Rollator befahren werden können.
Um ihre Selbstständigkeit zu fördern und zu erhalten gibt es noch weitere Hilfsmittel, die im Alltag sehr nützlich sein können: Griffverdickungen für Besteck, Bürste und andere wichtige Alltagsgegenstände können leicht selbst hergestellt werden aus Isoliermaterial für Rohre, das man im Baumarkt erhält. Eine Greifzange kann ermöglichen, Dinge vom Boden aufzuheben, denn durch den Befall der Hüftgelenke ist ihre Fähigkeit sich zu bücken sicherlich eingeschränkt. Die Zange kann auch beim Anziehen von Strümpfen, Unterwäsche und Hosen hilfreich sein, dies ist jedoch abhängig davon, wie gut ihre Hände noch fähig sind, die Bewegung zu steuern. Man sollte auch an die Greifzange eine Griffverdickung installieren. Ich werde sie beraten vornehmlich Kleidung zu tragen, die lange Reiß- oder Klettverschlüsse hat oder Gummizüge, damit es vermieden werden kann, Knöpfe zuzumachen. Alternativ gibt es eine Knöpfhilfe.
Sollte sie gerne Karten spielen, kann ein Zollstock praktisch als Kartenhalter umfunktioniert werden.

Ein weiterer wichtiger Faktor ist die Überernährung, die unter der Glucocorticoidherapie begonnen bzw. sich verschlechtert hat. Hierzu erfasse ich den Wissenstand von Frau A. zum Thema Nebenwirkungen der Glucocorticoidtherapie sowie Ernährung und werde sie dann individuell beraten. Sie sollte sich möglichst ausgewogen ernähren und viele Ballaststoffe wie zum Beispiel in Obst, Gemüse und Vollkornprodukten zu sich nehmen. Die Glucocorticoidtherapie birgt eine Osteoporosegefahr, weshalb ich ihr empfehlen werde sich kalziumreich zu ernähren. Die Arachidonsäure, die sich  durch hohen Fleischkonsum zu reichlich in unserem Körper befinden kann, kann die Entzündungsprozesse der Arthritis noch verstärken, weshalb ich ihr empfehlen werde, ihren Fleischkonsum zu reduzieren. Zusätzlich werde ich ihren Blutzucker einmal täglich morgens kontrollieren, um herauszufinden ob die langjährige Glucocorticoidtherapie eventuell einen Diabetes mellitus Typ 2 ausgelöst hat. 

Was meint ihr dazu? Habe ich zu den 3 genannten Pflegeproblemen das wichtigste berücksichtigt? Gibt es noch weitere hilfreiche Maßnahmen? Hinterlasst gerne einen Kommentar und helft damit mir und anderen ein besseres Examen zu schreiben!



Ein paar Anregungen habe ich hier wieder aus dem Thieme Buch „I care“ Pflege (2015), ab Seite 1203.